Als Marichka mit ihrer Mutter ins Krankenhaus kam, plagte sie immer noch dieselbe Angst wie schon seit Wochen in der Schule: dass ihr niemand glauben würde.
Natalia hielt die Hand ihrer Tochter, während diese auf die Untersuchung wartete, doch sie wusste, dass dieser Arztbesuch bereits etwas Entscheidendes verändert hatte. Zum ersten Mal seit Langem musste das Mädchen niemanden mehr davon überzeugen, dass die Schmerzen real waren.
Bis dahin waren die Symptome zu Hause schleichend aufgetreten.
Bild: Marichka war fünfzehn Jahre alt und immer voller Energie gewesen. Sie hörte Musik, rannte zu den Proben und kam nach Hause und erzählte von ihren Freunden. Doch plötzlich geriet ihr Alltag aus den Fugen.
Ihren Rucksack ließ sie vor der Tür stehen, wenn sie direkt in ihr Zimmer ging.
Die gemeinsamen Mahlzeiten veränderten sich.
Sie klagte über Übelkeit, Druckgefühl und anhaltende Schmerzen im Unterleib.
Nachts fand Natalia ihre Tochter im Dunkeln liegend, bis zum Gesicht zugedeckt, unfähig, ihre Hausaufgaben zu beenden.
Ihrer Mutter wurde klar, dass es nicht nur Müdigkeit war, als sie sah, wie Marichka sich am Treppengeländer festhielt, um nicht zu fallen.
Das Mädchen versuchte, ihren Schwindel mit einem schnellen Lächeln zu verbergen.
„Alles gut, Mama.“
Aber Natalia wusste, dass das nicht stimmte.
Das Problem war, dass Serhiy, der Vater des Mädchens, ihre Sorgen immer als übertrieben abtat, sobald sie mit ihm sprach.
Er meinte, es sei wahrscheinlich nur eine Magenverstimmung.
Als Natalia auf einer ärztlichen Untersuchung bestand, sagte er, Teenager seien nervös, verbrächten zu viel Zeit am Handy, ernährten sich schlecht und beschwerten sich dann.
Sie sagte, ihre Tochter nehme ab.
Er erwiderte, vielleicht wolle sie ja nur abnehmen.
Serhiys Art zu sprechen machte alles nur noch schwieriger. Er musste sie nicht anschreien, um Natalia an ihrem eigenen Urteilsvermögen zweifeln zu lassen.
Es gab noch ein weiteres, allgegenwärtiges Problem: Geld.
Er bezahlte seine Rechnungen und behielt den Überblick über die Haushaltsausgaben, doch jede unerwartete Ausgabe empfand er als Bedrohung.
Für ihn musste eine Beratung erst gerechtfertigt sein, bevor sie stattfinden konnte.