Er presste ein Lachen hervor, das sofort wieder verstummte.
„Er … er ist etwas spät dran.“
Ich bewunderte fast die Dummheit dieser Lüge.
„Spät dran“ suggerierte Bewegung. Fortschritt. Vielleicht ein Hähnchen im Ofen oder ein Auflauf, der noch zehn Minuten brauchte. Es war die Art von Lüge, die ein Mann erzählt, der sich noch nicht damit abgefunden hat, dass jeder im Raum die Wahrheit längst kennt. Es roch nicht nach Essen. Keine Wärme. Kein schmutziges Messer, keine Salatschüssel, kein nasser Spüllappen, keine Spuren der Zubereitung. Nichts.
Ich nahm einen Schluck Sprudelwasser und sagte ganz deutlich:
„Kein Abendessen.“
Stille breitete sich aus wie Öl.
Zuerst über seiner Mutter.
Dann sah ich seinen jüngeren Bruder Julien an, der unruhig von einem Fuß auf den anderen trat und den Blick senkte.
Dann meine Tanten, die jahrelang mein Essen gegessen und oft Kisten voller Reste mitgenommen hatten, ohne auch nur zu fragen, ob ich müde sei.
Maurice drehte sich so schnell zu mir um, dass das Geschenk auf dem Sideboard wackelte.
„Was machst du da?“, zischte er.
Ich sah ihm in die Augen.
„Ich sage die Wahrheit.“
Das Gesicht seiner Mutter verhärtete sich, nicht weil sie dachte, ich läge falsch, sondern weil sie sich nicht vorstellen konnte, dass ich es wagen würde, das vor Zeugen auszusprechen. Acht Jahre lang hatte sie mit ansehen müssen, wie ich peinliche Situationen überspielte, Demütigungen ertrug und den Schaden wiedergutmachte, den ihr Sohn mit seinem Stolz angerichtet hatte. Sie hatte meine Zurückhaltung mit ständiger Verfügbarkeit verwechselt. Das war ihr erster Fehler.