Mein Gesicht glühte, aber ich weinte nicht.
Nicht dieses Mal.
Etwas in mir wurde einfach eiskalt. Diese Art von Kälte, die man spürt, wenn man jemanden endlich so sieht, wie er wirklich ist, ohne Ausreden, hinter denen er sich verstecken kann.
„Na gut“, antwortete ich.
Maurice runzelte die Stirn, fast enttäuscht, dass ich keine Szene machte.
„Das war’s?“
„Das war’s. Ich kaufe mein Essen selbst.“
Und das tat ich.
Von diesem Tag an hielt ich mich buchstabengetreu an seine Regel.
Ich kaufte die Lebensmittel separat ein.
Ich beschriftete die Behälter.
Ich kochte für mich selbst.
Ich stellte die Lebensmittel zurück in den Kühlschrank.
Wenn Maurice spät nach Hause kam und nach dem Joghurt, dem Salat oder den Resten griff, die ich für den nächsten Tag gekocht hatte, erinnerte ich ihn ruhig daran, dass diese Regel von ihm stammte.
Nun lebten wir einfach nach seinen eigenen Worten.
Er hasste es.
Er knallte die Kühlschranktür zu, murmelte vor sich hin und lief seufzend im Haus auf und ab, als ob ich mich lächerlich machte. Aber er nahm es nie zurück. Niemals.
Drei Wochen vergingen so, in einer angespannten, unheimlichen Stille, wie ein Sturm, der im Flur kreiste und darauf wartete, die richtige Tür einzutreten.
Schließlich, am Mittwochnachmittag, als ich im Wohnzimmer Wäsche zusammenlegte, hörte ich seine dröhnende Stimme aus dem Esszimmer.
Er schickte Sprachnachrichten in die Familien-WhatsApp-Gruppe, voller Selbstvertrauen.
„Wir feiern meinen Geburtstag am Samstag zu Hause. Komm hungrig. Du weißt ja, Valérie gibt immer alles. Es gibt Rib-Eye-Steak, Ofenkartoffeln, Salat, Kuchen … alles, was du willst.“
Ich stand da und hielt sein Hemd in den Händen.
Er hatte mich um nichts gebeten.
Er hatte mich nicht gewarnt.
Er hatte es nicht einmal erwähnt.
Er hat mir einfach einen Job versprochen, so wie man Catering bestellt, ohne es zu bezahlen.
An diesem Abend habe ich alle Belege der letzten zwei Monate herausgesucht.
Ich habe meine Kontoauszüge überprüft.
Einkäufe im Supermarkt.
Kleinere Ausgaben.