Das Geld nutzten sie monatlich, um Tamaras Kredit abzuzahlen. Polina hatte ihre Einnahmen und Ausgaben längst in einer Tabelle erfasst, doch Denis weigerte sich, sie jedes Mal zu öffnen.
„Du verbringst Zeit mit deinem eigenen Enkel“, sagte Polina zurückhaltend. „Nur zweimal die Woche. Und dafür verlangst du so viel Geld, als würdest du rund um die Uhr als Kindermädchen ohne freie Tage für uns arbeiten.“
„Man muss seine Älteren respektieren!“, rief Tamara.
Sie erhob sich schwerfällig vom Hocker.
„Denis hat nur eine Mutter! Und ich habe nur eine Gesundheit. Mein Blutdruck schießt in die Höhe, und ich fahre durch die ganze Stadt, um euch zu sehen, damit ihr hier euren Berufen nachgehen könnt. Geht und öffnet den Safe. Ich nehme, was mir zusteht, und gehe. Ihr werdet mir hier keine Predigten halten.“
„Ich gehe nicht“, erwiderte Polina ruhig.
„Was soll das heißen, ‚du gehst nicht‘? Es ist das Geld meines Sohnes! Er hat es mir versprochen!“
„Das ist unser Familiengeld. Und es ist diesen Monat einfach nicht da.“
Meine Schwiegermutter versuchte, den Safe zu öffnen.
Tamara schritt selbstsicher ins Schlafzimmer. Polina folgte ihr wortlos und beobachtete, wie ihre Schwiegermutter, als wäre sie zu Hause, die Spiegeltüren des Kleiderschranks aufstieß.
Unten, hinter sorgfältig arrangierten Bettzeugstapeln, stand ein kleiner Metallsafe. Denis bewahrte darin normalerweise Bargeld für größere Familienanschaffungen auf und legte etwas Geld für Urlaube zurück.
Tamara kannte den Code genau. Ihr Sohn hatte ihn ihr ein paar Monate zuvor selbst verraten, als er sie gebeten hatte, Geld für Gartenbedarf abzuheben.
„Wenn du so schlau bist, mach ich ihn selbst auf“, zischte Tamara.
Sie ging in die Hocke, stützte sich mit einer Hand am Regal ab und gab schnell die richtigen Zahlen ein.
Der Safe piepte plötzlich.
Ein rotes Licht blinkte auf.
Ihre Schwiegermutter runzelte die Stirn und gab die Kombination erneut ein, diesmal mit festerem Druck.
Ein weiterer Piepton ertönte.
Und das rote Licht erschien wieder.
„Was soll das bedeuten?“, flüsterte Tamara verwirrt.
Sie starrte einige Sekunden lang auf die geschlossene Tür, dann wandte sie sich abrupt Polina zu, die im Eingang stand.
„Hast du den Code geändert?“
„Ja“, antwortete Polina ruhig. „Du kennst das neue Passwort nicht. Und das Geld für deinen Kredit ist nicht mehr da.“
„Ich rufe sofort Denis an! Er kümmert sich darum!“
Tamara griff nervös in ihre Strickjackentasche nach ihrem Handy. Ihre Finger zitterten sichtlich vor Wut.
„Bitte ruf an.“
Polina lehnte sich mit der Schulter gegen den Türrahmen.