DER MAFIA-BOSS BRINGTE SEINE GELIEBTE ZU MEINEM GEBURTSTAG MIT – ALSO GAB ICH IHR MEINEN EHERING UND SAGTE: „ER GEHÖRT DIR.

Das Herrenhaus verwandelte sich in ein Labyrinth aus Schatten und eilenden Schritten.

Alessandro hielt eine Hand in meiner Nähe, berührte mich nur, wenn es unbedingt nötig war, als hätte er endlich den Unterschied zwischen Schutz und Besitz begriffen.

Maso tauchte aus der verrauchten Halle auf und zerrte einen von Ruggeros Männern am Kragen.

„Er steuert auf den Kapellentunnel zu“, sagte Maso. „Ein alter Durchgang unter dem Ostflügel.“

Teresa, bleich, aber entschlossen, hob den Kopf.

„Ich weiß es.“

Leah starrte sie an. „Du bist verletzt.“

Teresa warf ihr einen Blick zu, der selbst Milch sauer werden ließ.

„Ich putze dieses Haus seit dreißig Jahren, Doktor. Der Schmerz kann warten.“

Bianca trat vor. „Der Tunnel führt zum Bootshaus. Wenn Ruggero den See erreicht, verschwindet er.“

„Nicht heute Abend“, sagte Alessandro.

Seine Stimme war so kalt, dass der Raum gefrieren konnte.

Ich berührte den Ring.

In dem winzigen Inneren war der Mikrofilm verschwunden – sicher verwahrt in Leahs Arzttasche, zwischen chirurgischer Gaze und einer Wut, die kein Mann in diesem Raum auf sich richten wollte.

Wir gingen durch den Ostflügel, Teresa führte uns an, eine Hand an die Wand gepresst. Sie blieb vor einem Gemälde von Alessandros Vater stehen.

„Verzeihen Sie mir, Signore“, murmelte sie und drückte den Rahmen zur Seite.

Hinter den Regalen öffnete sich eine Tür.

Der Tunnel ließ feuchte Luft in die Halle strömen.

Camila hielt ihre Mutter im Arm. Nico stand neben ihnen, erschüttert, aber aufrecht.

„Ich komme“, sagte Nico.

„Nein“, schnauzte Camila.

„Ich habe das verursacht.“

„Und ich habe dich gerade zurückbekommen.“

Nico sah Alessandro an. „Bitte. Lass mich helfen.“

Alessandro musterte ihn und reichte ihm dann eine Taschenlampe.

„Bleib hinter Maso. Tu genau, was er sagt.“

Maso stöhnte. „Wunderbar. Babysitten in einem Mordtunnel. Mein Traum.“

Der Gang war eng, gesäumt von alten Steinen und verrosteten Wandleuchtern. Irgendwo unter uns plätscherte Wasser. Jeder Schritt fühlte sich an, als würde man unter der Last der Geheimnisse des Hauses wandeln.

Nach der Hälfte der Strecke hielt Bianca an.

An der Wand neben ihr befand sich ein eingemeißeltes Zeichen: eine in der Mitte gespaltene Krone.

Das gleiche Symbol wie auf der Banknote.

„Er hat mein Zeichen benutzt“, flüsterte sie.

„Du hast es geschafft?“, fragte ich.

Sie nickte. „Es bedeutete, dass die Familie gespalten, aber nicht tot war.“

„Und Ruggero hat daraus eine Drohung gemacht.“

„Ruggero macht aus allem eine Waffe.“

Ein Geräusch hallte voraus.

Metallschaben.

Dann Ruggeros Stimme.

„Du hättest begraben bleiben sollen, Bianca.“

Er stand am Ende des Tunnels, vom Mondlicht des Bootshauses umrahmt. In der einen Hand hielt er eine Pistole, in der anderen ein Feuerzeug.

Hinter ihm glänzte Treibstoff auf den Dielen.

Alessandro trat vor.

Ruggero lächelte. „Noch ein Schritt, und die Kapelle brennt. Der Tunnel brennt. Die Beweise verbrennen. Vielleicht auch die Frauen, da heute Abend alle so sentimental sind.“

Bianca handelte, bevor jemand sie aufhalten konnte.

„Ruggero“, sagte sie. „Du wolltest mich einst am Leben erhalten, weil mein Schweigen nützlich war.“

Er blickte sie mit einem Hass an, der alt genug war, um Wurzeln zu haben.

„Ich wollte, dass du Angst hast.“

„Das war ich“, sagte sie. „Jahrelang.“

Dann lächelte sie.

„Aber ich habe es so satt, Feiglingen nützlich zu sein.“

Ruggeros Daumen berührte das Feuerzeug.

Im selben Augenblick warf Teresa ihren Gehstock weg.

Es traf sein Handgelenk.

Das Feuerzeug wirbelte davon und huschte über den Stein.

Maso stürzte sich auf ihn.

Alessandro ist umgezogen.

Ruggero feuerte einmal in die Wand, und Staub wirbelte vom Stein auf.

Niemand fiel.

Dann hatte Alessandro ihn gegen die Tür des Bootshauses gedrückt, die Pistole in das dunkle Wasser darunter getreten.

Ruggero wehrte sich heftig, hochrot im Gesicht und völlig außer sich.

„Ihr könnt mich nicht der Polizei ausliefern“, spuckte er. „Die Hälfte von denen speist aus meiner Hand.“

„Nein“, sagte Alessandro. „Aber du wirst dich vor allen verantworten müssen, die du verraten hast.“

Hinter uns tauchten Kapitäne im Tunnel auf, angelockt vom Lärm. Männer, die Ruggero seit Jahrzehnten gefürchtet hatten. Männer, deren Brüder, Söhne und Vermögen von ihm verraten worden waren.

Bianca trat neben Alessandro.

„Sieh sie dir an“, sagte sie zu Ruggero. „Dein Königreich.“

Ruggero schaute.

Und er sah keine Loyalität.

Nur Zeugen.

Teil 6 – Der Ring, das Hauptbuch und die Wahl