Und dann kam das Abendessen.
Das Tablett fiel zu Boden. Mariana flüchtete ins Badezimmer, zählte die Tage ein-, zwei-, dreimal und fühlte, wie die Welt unter ihren Füßen zusammenbrach.
Noch in derselben Nacht ging sie ins Krankenhaus. Ihre Freundin Lucía gab ihr heimlich einen Schwangerschaftstest.
Zwei Linien erschienen.
Mariana saß auf dem kalten Laborboden, eine Hand auf dem Bauch, unfähig zu sprechen. Anatomie
Draußen, im dunklen Flur, telefonierte ein Mann mit einem schwarzen Steinring und flüsterte:
„Es geht los.“
Teil 2: Mariana wartete nicht auf den Sonnenaufgang.
Sie kehrte im Morgengrauen zur Villa zurück und öffnete ohne anzuklopfen die Tür zu Damiáns Arbeitszimmer. Er trug noch immer seinen Smoking. Seine Krawatte war locker, seine Augen weit aufgerissen, seine Hände in den schwarzen Handschuhen, die er nie auszog.
„Ich bin schwanger“, sagte sie.
Damián fragte nicht, ob sie sich sicher sei. Das schmerzte sie am meisten. Er hatte es bereits geahnt.
Er öffnete eine Schublade, holte einen dicken Ordner heraus und legte ihn auf den Schreibtisch.
„Hier sind die Berichte von sechs Ärzten“, sagte er. „Sie alle sagen, ich kann keine Kinder bekommen. Sie haben dreißig Sekunden, um mir den Namen des anderen Mannes zu nennen. Christentum.“
Mariana spürte das Ticken der Uhr, als würde jemand Nadeln in die Wand hämmern.
„Es gab keinen anderen Mann.“
Sie erzählte ihm alles. Die Nacht in Valle de Bravo. Den langen Tisch. Ihr schweres Atmen. Das Wasser. Das Aufwachen. Das gefaltete Blatt Papier. Das Blutprobenröhrchen. Die fehlende Brosche.
Damián hörte zu, ohne sie zu unterbrechen. Dann holte er ein weiteres Dokument hervor: das Ein- und Ausfahrtsbuch des Hauses. Darin stand Marianas Unterschrift, die bestätigte, dass sie vor Mitternacht gegangen war.
Sie war fast identisch mit seiner.