TEIL 1
„Schmeißen Sie den Müll nicht gleich raus, wenn Sie nach Hause kommen … öffnen Sie ihn erst“, sagte die Frau zu ihr, als wüsste sie, dass der Ruin ihrer Ehe in einem Müllsack begraben lag.
Catalina Mendoza stand im Regen, ihr Herz hämmerte, ihre Kleidung war durchnässt. Sie verstand nicht, warum ihr diese Worte den ganzen Heimweg über im Kopf herumgegangen waren. Sie glaubte nicht an Wahrsager, spirituelle Reinigungen oder Tarotkarten. Sie war Buchhalterin bei einem Bauunternehmen in Guadalajara, eine jener Frauen, die nichts unterschrieben, ohne das Kleingedruckte zu lesen, und die einen fehlenden Peso selbst dann noch bemerkten, wenn er zwischen hundert Rechnungen versteckt war.
Deshalb schämte sie sich, zuzugeben, dass eine Fremde, die in einem kleinen Laden saß, der nach Raute und abgestandenem Kaffee roch, sie so erschüttert hatte.
Alles hatte an diesem Nachmittag begonnen, als sie nach der Durchsicht eines Quartalsberichts spät das Büro verließ. Plötzlich öffnete der Himmel seine Schleusen, und der Regen prasselte herab, als hätte jemand Eimer von den Dächern geschüttet. Catalina rannte zu einem Vordach, um Schutz zu suchen. Daneben befand sich eine kleine Tür mit einem Holzschild: „Wahrsagerei und Reinigung“.
Sie ging hinein, nur um nicht noch nasser zu werden.
Drinnen saß Doña Elvira, eine Frau mit zurückgebundenem weißen Haar, ohne Armbänder oder theatralische Gesten. Sie verlangte kein Geld, bot keine Wahrsagerei an und sah Catalina nicht einmal lange an. Catalina saß schweigend da, sah auf ihr Handy und bemerkte wie immer dasselbe: keine Nachrichten von Iván.
Iván, ihr Ehemann.
Der Mann, der ihr vor einem Jahr gesagt hatte, sie seien ein Team. Derjenige, der mit sanftem Lächeln, Essen zum Mitnehmen und dem Versprechen, gemeinsam etwas aufzubauen, in ihr Leben getreten war. Sie hatten schnell geheiratet, ohne große Feier, nur standesamtlich, mit zwei Trauzeugen und ein paar Tacos später. Catalina dachte, endlich schenkte ihr das Leben etwas Ruhe.
Doch seit Monaten war Iván nicht mehr derselbe. Er versteckte sein Handy, nahm Anrufe im Flur entgegen, roch nach fremdem Parfüm und hatte immer eine perfekte Ausrede parat. Außerdem hatte er angefangen, sie um Geld zu bitten: erst für einen Autokredit, dann für eine angebliche Reparatur, dann für einen Umbau, der nie begonnen hatte.
Am Abend zuvor hatte Iván ihr von einer neuen Wohnung in Zapopan erzählt.
„Sie ist für uns, Cata. Zwei Schlafzimmer, gute Lage, in der Nähe eines Parks. Wir brauchen nur noch deine Unterschrift für die Finanzierung.“
Sie zögerte. Es war viel Geld. Doch er nahm ihre Hand und sagte:
„Du bist meine Frau. Wem sonst sollte ich vertrauen?“
Catalina willigte ein, am nächsten Tag zur Bank zu gehen.
Als der Regen etwas nachließ, stand sie auf, um zu gehen. Dann sagte Doña Elvira diesen Satz:
„Wenn du nach Hause kommst, wirf den Müll nicht raus. Mach den Sack auf und schau rein.“
Catalina versuchte, sich einzureden, dass das Unsinn war.
Doch als sie ihre Wohnung erreichte, stand Iván in der Tür. Er trug ein gebügeltes Hemd, roch stark nach Kölnischwasser und hielt einen schwarzen Müllsack in der Hand. Er wirkte gehetzt.
„Ich bringe ihn schnell weg und dusche“, sagte sie.
Draußen regnete es immer noch in Strömen.
„Lass ihn stehen. Wir bringen ihn morgen weg“, erwiderte Catalina.
Iván erstarrte einen Moment. Dann lächelte er zu schnell.
„Schon gut, das sind nur Verpackungen.“
„Ich sagte doch morgen.“
Er sah sie an, stellte den Sack auf den Boden und schloss sich im Badezimmer ein. Sobald sie das Wasser laufen hörte, bückte sich Catalina. Es dauerte eine Weile, bis sie den Knoten lösen konnte, weil er so fest saß.
Zuerst sah sie nur Servietten, Tickets, Essensverpackungen. Sie wollte gerade über sich selbst lachen, als sie unten etwas Hartes ertastete: gefaltete Papiere, versteckt unter allem.
Sie zog sie heraus.
Es war ein Bankkreditantrag. Der Name der Kontoinhaberin stand darauf: Catalina Mendoza Ríos.
Der Betrag war derselbe, den Iván genannt hatte.
Doch darunter, im Abschnitt „Verwendungszweck“, stand: „Anzahlung für eine Immobilie“. Und auf einem handgeschriebenen Zettel, in Iváns Handschrift:
„Nach der Unterzeichnung bitte direkt von Catalina auf Konto A überweisen.“
Catalina suchte weiter. Sie fand einen Vorvertrag für eine Wohnung. Die Immobilie lief weder auf Iváns Namen noch auf ihren.
Sie lief auf den Namen von Andrea Vargas.
Ihr war, als würde der Boden unter ihren Füßen weggezogen. Sie schrie nicht. Sie weinte nicht. Sie fotografierte einfach jede Seite, steckte die Papiere zurück in die Tasche und verschloss sie wieder.
Als Iván, nach Kölnischwasser duftend und bereit, „zur Arbeit“ zu gehen, aus dem Badezimmer kam, stand sie bereits in der Küche und starrte auf die Suppe, die sie nicht essen würde.
Er küsste sie auf die Wange, als wäre nichts geschehen.
„Warte nicht auf mich.“
Catalina antwortete nicht. Sie dachte nur an eines: Am nächsten Tag würde Iván sie zur Bank bringen, damit sie ihr eigenes Todesurteil unterschreiben konnte.
Und ich konnte immer noch nicht fassen, was gleich passieren würde …