TEIL 1
„Heirate mich, bevor ich sterbe.“
Das waren die ersten Worte von Doña Elvira an diesem Nachmittag. Ihre Stimme brach, ihr Blick entschlossener denn je, während der Monitor im Krankenhaus ihren langsamen, müden, fast geliehenen Atem zeigte.
Niemand im Zimmer wusste, was er sagen sollte.
Mateo stand regungslos neben dem Bett. Seine blaue Pflegeheimuniform war noch immer mit Bleichmittel und Kaffee befleckt. Er war 34 Jahre alt, arbeitete als Pflegehelfer in einem Seniorenheim am Stadtrand von Querétaro und hätte sich nie vorstellen können, dass eine 82-jährige Frau, der er jeden Abend Kamillentee brachte, ihn so etwas fragen würde.
Doña Elvira Reyes war schwierig. Das wusste jeder im Pflegeheim.
Sie mochte keine lauwarme Suppe, schimpfte mit den Krankenschwestern, wenn sie mit ihr wie mit einem Kind sprachen, korrigierte die Rechtschreibung auf den Aushängen an der Wand und sagte, undankbare Kinder seien schlimmer als Feuchtigkeit: Sie würden sich in die Wände einschleichen und still und leise alles zerstören.
Aber mit Mateo war es anders.
Anfangs rief sie ihn nur, damit er ihr Kissen zurechtrückte oder ihr den grauen Schal brachte. Dann begann sie, am Fenster auf ihn zu warten, als wäre seine Schicht das Einzige, was an diesem Tag zählte.
„Du bist sechs Minuten zu spät, junger Mann“, sagte sie und warf einen Blick auf ihre Uhr.
„Aber ich habe dir dein Lieblingsgebäck mitgebracht.“