„Weil das einfacher war.“
„Einfacher für wen?“, fragte ich.
Er warf seiner Frau einen Blick zu und wartete auf Unterstützung.
Ich hielt Mamas Brief hoch. Hausgemachte Rezepte
„Sie hat alles aufgeschrieben. Du hast sie bedroht, ihre Armut gegen sie ausgenutzt und ihr eingeredet, dass die Liebe zu ihrem Bruder sie ihre Tochter kosten könnte.“
„Ich habe diese Familie beschützt“, sagte Mark.
„Nein. Du hast die Version beschützt, in der Victor nicht existierte.“
Victors Stimme zitterte, aber er stand aufrecht.
„Ich habe Stephanie gewählt, als du dich für den Schein entschieden hast.“
Mark umklammerte seinen Mantel.
„Das wirst du bereuen, Fiona. Es wird dich innerlich auffressen. So war es auch bei Stephanie.“
„Ich bereue schon so vieles“, sagte ich. „Aber das nicht.“
Tante Linda trat zwischen ihn und den Flurtisch, auf dem Mamas Papiere gestapelt waren.
„Lass die Kiste da“, sagte sie zu ihrem Mann.
Mark starrte sie an.
„Linda.“
„Nein“, sagte sie mit zitternder Stimme. „Du hast uns gesagt, er sei tot.“
Stille breitete sich im Raum aus.
Keine verwirrte Stille.
Eine verurteilende Stille.
Mark suchte den Raum ab und fand keine Verbündeten.
Dann ließ er die Schachtel fallen, knallte die Tür auf und ging.
Ich wandte mich Victor zu.
„Onkel Victor“, sagte ich und zog einen Stuhl heraus. „Komm, setz dich.“
Ich stellte zwei Schüsseln Suppe auf Mamas abgeplatzten Küchentisch.
Victor blieb im Türrahmen stehen.
„Ich kann draußen essen.“
„Nein“, sagte ich. „Du isst nicht mehr draußen. Du bleibst heute Nacht hier. Den Rest klären wir morgen.“
Langsam setzte er sich, die Kette noch immer fest umklammert.
Zum ersten Mal seit zwanzig Jahren verschwand Victors Essen nicht durch die Hintertür.
Es blieb auf dem Tisch stehen.
Genau dort, wo die Familie hingehörte.