TEIL 2
Die Sonne ging über Oakhaven Springs auf, aber das Haus wirkte wie ein Friedhof.
Im Gästezimmer saß Katherine auf der Bettkante, in einen von Graces alten Schals gehüllt. Sie hatte kein Auge zugetan. Ihre Augen waren geschwollen, und sie starrte leer auf den Boden.

Grace brachte ihr eine Tasse Tee, setzte sich neben sie und nahm sanft ihre kalten Hände.
„Sag mir, Katherine“, sagte Grace mit sanfter, aber bestimmter Stimme. „Was meinte er mit Beatrice?“
Katherine holte zitternd Luft. Der Damm war endgültig gebrochen.
„Er hat mich sofort in die Ecke gedrängt, als die Tür zu war“, flüsterte sie mit heiserer Stimme. „Er hat die Tür abgeschlossen, ein Tagebuch aufs Bett geworfen und gesagt, er wisse alles. Er sagte, er hätte mich nie geliebt. Dass die letzten zwei Jahre, die Hochzeit, das Eheversprechen … alles nur Lügen waren, damit ich mich sicher fühlte, bevor er mich brach.“
Grace spürte ein unangenehmes Ziehen im Magen. Beatrice war Calebs Freundin aus Collegezeiten gewesen. Die Trennung war plötzlich und brutal gewesen und hatte Caleb monatelang völlig verzweifelt zurückgelassen.
„Er gibt mir die Schuld daran, dass Beatrice ihr Leben ruiniert hat“, fuhr Katherine fort, Tränen rannen ihr über die Wangen. „Er hat mein altes Tagebuch gefunden, vermischt mit Nachrichten, die ich vor drei Jahren von meinem Handy an Beatrices Arbeitgeber und ihre Familie geschickt habe. Bösartige, abscheuliche Nachrichten, die zu ihrer Entlassung führten und ihren Ruf zerstörten.“
„Hast du sie geschickt?“, fragte Grace sanft.
Katherine schüttelte heftig den Kopf. „Nein! Es war Vanessa.“
Vanessa war eine gemeinsame Bekannte aus Collegezeiten, eine Frau, die sich immer am Rande ihres Freundeskreises aufhielt.
„Vanessa hat mir auf einer Party mein Handy geklaut“, schluchzte Katherine. „Sie hat diese Nachrichten verschickt, um mir etwas anzuhängen. Als ich es herausfand und sie zur Rede stellte, lachte sie nur. Sie sagte, wenn ich Caleb oder irgendjemand anderem auch nur ein Wort der Wahrheit erzählen würde, würde sie meine Mutter ruinieren. Vanessas Vater besaß die Klinik, in der meine Mutter Rose als Krankenschwester arbeitete. Wir hatten nichts, Grace. Hätte meine Mutter diese Stelle verloren, wären wir auf der Straße gelandet.“
Katherine blickte auf, ihre Augen voller qualvollem Verrat.
„Ich habe geschwiegen, um meine Mutter zu schützen. Ich habe die Schuld stillschweigend auf mich genommen. Und Caleb… Caleb hat mich nur geheiratet, um mich dafür zu bestrafen.“