Alle Blicke richteten sich auf Hudson und Vivien. Zweiunddreißig Menschen, die keinen Plan B hatten, kaum Essen mitgebracht und ihren ganzen Tag um ein ihnen versprochenes Essen herum geplant hatten.
„Wir arbeiten daran“, sagte Vivien mit schwacher Stimme.
Der sechsjährige Timmy Sanders, der eine schwere Nussallergie hat, zupfte an dem Kleid seiner Mutter.
„Mama, ich habe Hunger. Wann gibt es endlich Essen?“
Seine unschuldige Frage schien die Stille im Raum zu durchbrechen. Plötzlich redeten alle durcheinander.
„Vielleicht sollten wir Pizza bestellen.“
„Pizzerien haben an Thanksgiving geschlossen.“
„Und was ist mit chinesischem Essen?“
„Mit einem Sechsjährigen, der Lebensmittelallergien hat?“
„Das ist doch Wahnsinn! Wir hätten vorher Bescheid wissen müssen.“
„Wo ist Isabella eigentlich hin? Wie lange wisst ihr schon, dass sie nicht kommt?“
Hudson fühlte sich, als würden sich die Wände um ihn herum zusammenziehen. Zweiunddreißig Augenpaare suchten ihn nach Antworten, die er nicht hatte, nach Lösungen, die er nicht anbieten konnte.
Da vibrierte sein Handy. Eine SMS war da. Sie war von Isabellas Nummer. E-Mail und Chat.
Alle im Raum schienen seine Reaktion zu spüren, als er die Nachricht öffnete. Stille breitete sich aus, alle warteten gespannt darauf, was seine vermisste Frau zu sagen hatte.
Die SMS enthielt ein einzelnes Foto. Isabella, in einem gelben Sommerkleid, das er noch nie zuvor gesehen hatte, saß in einem Restaurant am Meer, einen tropischen Drink in der Hand. Ihr Haar wehte offen in der Meeresbrise. Ihr Gesicht war der Kamera zugewandt, mit einem Ausdruck reinen, strahlenden Friedens.
Unter dem Foto stand eine einfache Nachricht: „Thanksgiving-Essen im Paradies. Sag Vivien, der Truthahn ist jetzt ihr Problem.“
Hudson starrte auf sein Handy. Sein Gehirn rang damit, das Gesehene zu verarbeiten. Seine Frau, seine zuverlässige, berechenbare und immer hilfsbereite Frau, war auf Hawaii. Sie hatte keinen familiären Notfall. Sie hatte nicht geplant, rechtzeitig zurückzukommen, um das Abendessen zu retten. Sie hatte das alles geplant. Sie hatte sich dafür entschieden. Sie hatte 32 Menschen an Thanksgiving im Stich gelassen. Und dem Gesichtsausdruck auf dem Foto nach zu urteilen, bereute sie nichts. Essen und Trinken.
„Hudson.“ Die Stimme seiner Mutter schien aus der Ferne zu kommen. „Was hat sie gesagt?“
Er blickte auf und sah 32 erwartungsvolle Gesichter. Seine Mutter, die diese ausweglose Situation herbeigeführt hatte. Seine Verwandten, die nie ihre Hilfe bei den gigantischen Inszenierungen angeboten hatten, die Isabella für sie organisiert hatte. Die Sanders, die sich bereits mit kaum verhohlener Verachtung im Raum umsahen. Alle erwarteten von ihm, dass er das wieder gutmachte, was Isabella angerichtet hatte, indem er sich weigerte, sich noch einmal unterkriegen zu lassen.
„Sie sagte …“, Hudsons Stimme stockte. „Sie sagte, der Truthahn sei jetzt unser Problem.“
Der Raum brach in Aufruhr aus.