TEIL 2: DAS AUFNAHMEMATERIAL
Der behandelnde Arzt verließ die Notaufnahme fast eine Stunde später.
Sein Gesichtsausdruck sagte mir alles, noch bevor er sprach.
„Ihre Frau leidet unter schwerer Mangelernährung, schwerer Hypoglykämie, einer Infektion ihrer Operationswunde und frühen Anzeichen einer Wochenbettdepression.“
Ich spürte, wie die Luft aus meinen Lungen wich.
Der Arzt fuhr mit fester Stimme fort.
„Hätten Sie sie ein paar Stunden später eingeliefert, hätte sie das Bewusstsein verlieren und ins Koma fallen können.“
Ich senkte den Kopf.
Ich hatte keine Ausrede.
Wochenlang hatte ich in Deutschland 14-Stunden-Tage gearbeitet und mir eingeredet, dass ich ein verantwortungsvoller Ehemann sei, weil ich Geld nach Hause schickte.
Ich hatte meiner Mutter vertraut, weil sie meine Mutter war.
Ich hatte Chloe vertraut, weil sie meine Schwester war.
Ich hatte Mark vertraut, weil er schon seit Jahren zu unserer Familie gehörte.
Dieses Vertrauen hätte Maya beinahe das Leben gekostet.
Um drei Uhr morgens, während sie Antibiotika und Flüssigkeit erhielt, öffnete ich im Wartebereich des Krankenhauses meinen Laptop und lud meine Kontoauszüge herunter.
Die vierzehntausend Dollar, die ich für medizinische Versorgung, eine Nachtschwester, Lebensmittel und Babyartikel überwiesen hatte, wurden für fünf Flugtickets erster Klasse, eine Hotelsuite direkt am Meer, Wellness-Pakete, Hummeressen und einen VIP-Tisch bei einer Silvesterparty ausgegeben.
Mir war übel.
Dann fielen mir die Überwachungskameras wieder ein.
Monate zuvor hatte ich Kameras in der Nähe des Eingangs, des Wohnzimmers und der Küche installiert, nachdem mehrere Pakete aus unserem Gebäude verschwunden waren.
Ich habe mich ins System eingeloggt.
Auf den Aufnahmen von vor drei Tagen waren meine Mutter und Chloe zu sehen, wie sie große Kühlboxen durch die Küche trugen.
Sie öffneten den Kühlschrank und räumten alles aus.
Jede zubereitete Mahlzeit.