Amelia öffnete den Mund, wollte sprechen, doch die erhobene Hand des Königs brachte sie zum Schweigen, bevor sie auch nur ein Wort herausbringen konnte.
„Eure Schwester hat meine Erfolge jahrelang als ihre eigenen ausgegeben.“ Ich spürte die Schwere jedes Kompliments, das ich erhalten hatte, nun in diesem heiligen Saal als Waffe eingesetzt.
Prinz Sebastian blickte zwischen uns hin und her, seine königliche Haltung bröckelte, als er die Stirn runzelte.
„Was sagen Sie da, Kommandant?“, fragte er mit so leiser Stimme, dass nur ich ihn hören konnte.
„Dass Sie im Begriff sind, eine Frau zu heiraten, die mir meine Identität, meine Orden, meine ganze Geschichte gestohlen hat.“ Diese Worte trafen mich wie ein Kanonenschuss.
Überall schwoll die Orgel an, verstummte dann, die Musik erlosch in einer plötzlichen, ohrenbetäubenden Stille.
Die Augen des Königs verengten sich, er suchte in Amelias Gesicht nach einem Hinweis auf die Wahrheit.
„Erklären Sie sich, Miss Bennett.“ Sie beugte sich vor, das Gewicht der Krone drückte auf ihre Stirn.
Die Bildschirme erwachten zum Leben.
Die riesigen Bildschirme im Palast, auf denen zuvor der Hochzeitszug gezeigt worden war, flackerten und erloschen.
Ein kollektives Seufzen wurde unterdrückt, als die Dunkelheit anhielt und die Kapelle nur vom sanften Schein der Kerzen erhellt wurde.
Dann, wie ein Blitz, erwachten die Bildschirme zum Leben und zeigten auf jedem mein offizielles Militärfoto.
Meine Uniform blickte mich an, makellos, die Orden glänzten, die Abzeichen waren unverkennbar.
Unter dem Bild pulsierte ein einzelner Satz in klaren weißen Buchstaben, jeder Schlag hallte durch die Steinmauern.
Ezoic:
„Das Kind, das ihr für tot haltet, lebt in eurem Namen weiter.“
Einen Moment lang herrschte Stille im Raum, die Botschaft hing wie ein seidener Faden in der Luft.
Der König presste die Zähne zusammen, sein Blick huschte zwischen Amelia und den Wachen am Tor hin und her.
„Schließt alle Türen! Niemand verlässt diesen Palast!“, bellte er, seine Stimme hallte von der gewölbten Decke wider.
Die schweren Türen von Ezoic
schlugen mit einem metallischen Klirren zu und schlossen uns in der Kapelle ein.
Gemurmel breitete sich wie eine Flut aus, und die Gesichter der Gäste wechselten von Überraschung zu Angst.
Amelia keuchte auf, ein stummer Schrei blieb ihr im Hals stecken, als Prinz Sebastian zurückwich und den Blick auf die flackernden Bildschirme richtete.
Die Kapelle wurde zu einem Käfig, die königlichen Gelübde hingen in der Luft, und die rätselhafte Phrase pulsierte, ein Versprechen zukünftiger Enthüllungen.
Versteckte Akte.
Meine Finger zitterten, als ich den dünnen Umschlag aus der Schreibtischtasche des Königs zog.
Das Papier darin roch nach altem Leder und Meersalz, wie der Geruch, der nach einer nächtlichen Rettungsaktion an meiner Uniform hing.
Im Inneren zeigte eine Reihe verschwommener Fotos einen kleinen Jungen, eingewickelt in eine marineblaue Decke, seine Augen glichen meinen.
Unter jedem Bild stand ein Datum: „12. Juni 2016 – vermutlich auf See vermisst.“
Mein Herz raste; auf der Rückseite stand: „Olivias Sohn, gerettet, offiziell für tot erklärt.“
Ich blätterte zur nächsten Seite, einem Buchhaltungsbuch voller Zahlen, die nicht stimmten.
Amelias Unterschrift glitzerte über den Reihen von Spesenabrechnungen, jede einzelne belegte eine Auszeichnung, die ich tatsächlich verdient hatte.
Sie hatte die Begründung für meine Ehrenmedaille, die Berichte nach der Rettungsmission und sogar den Text meiner Orden kopiert.