19. April 2026 von Admin
—Nein… daran kann ich mich nicht erinnern…
—Weil sie dich es vergessen ließen, sagte er. Dein „Vater“ hat dich gerettet… aber nicht aus Liebe.
Stille.
—Warum dann?
Der Mann starrte sie an.
—Weil er dich brauchte.
Ein scharfer Knall hallte durch das Haus.
Die Haustür flog auf.
Schnelle Schritte.
Stimmen.
Und dann… erschien er.
Der Mann, den Isabella ihr ganzes Leben lang Vater genannt hatte.
Schwer atmend. Ein verzweifelter Blick.
—Halt dich von ihm fern!
Isabella erstarrte zwischen ihnen.
—Was passiert hier…?
Der „Vater“ sah sie mit einer Mischung aus Angst und Dringlichkeit an.
—Isabella… hör gut zu. Egal, was er dir erzählt … dieser Mann …
– Er ist der Einzige, der dir die Wahrheit sagt – unterbrach ihn der andere ruhig.
Die Stille wurde unerträglich.
Die beiden Männer starrten sich an wie Feinde, die jahrelang auf diesen Moment gewartet hatten.
– Es ist so weit – sagte der Mann an der Tür. – Sie hat ein Recht darauf, es zu erfahren.
– Nein! – schrie der Vater. – Wenn sie es herausfindet, ist alles vorbei!
Isabella spürte, wie etwas in ihr zu zerbrechen begann.
– Hör auf! – rief sie. – Sag mir die Wahrheit!
Stille.
Der Mann im Schatten sprach als Erster.
– Du hast das Feuer nicht überlebt, Isabella.
Die Welt stand still.
– Du bist in dieser Nacht gestorben.
Ein Summen erfüllte ihre Ohren.
– Das … ist unmöglich …
Der „Vater“ schloss besiegt die Augen.
„Ich … ich konnte dich nicht gehen lassen …“
Isabella sah ihn zitternd an.
„Was hast du getan …?“
Tränen rannen über das Gesicht des Mannes.
„Ich habe dich zurückgebracht.“
Isabellas Herz setzte einen Moment aus.
„Wie …?“
Der andere Mann trat einen Schritt vor, seine Stimme eiskalt:
„Mit etwas, das du niemals hättest berühren sollen.“
Totale Stille.
Isabella spürte einen stechenden Schmerz in der Brust.
Ein seltsamer Herzschlag.
Unregelmäßig.
Fremd.
„Nein …“, flüsterte sie, „… das kann nicht sein …“
Der „Vater“ sank auf die Knie.
„Verzeih mir … du warst nicht meine Tochter … aber du wurdest alles für mich …“
Tränen flossen unaufhaltsam.
„Ich wollte dich nicht noch einmal verlieren …“
Isabella wich einen Schritt zurück.
Dann noch einer.
Ihr Atem ging unregelmäßig.
Die Welt begann sich zu verzerren.
Die Erinnerungen.
Das Feuer.
Die Schreie.
Die Dunkelheit.
Und dann … nichts.
„Was … bin ich …?“
Der Schattenmann antwortete ohne zu zögern:
„Etwas, das nicht existieren dürfte.“
Stille.
Ein Herzschlag.
Noch einer.
Und dann …
Isabella blickte auf.
Ihre Augen waren nicht mehr dieselben.
Dunkel.
Tief.
Leer.
Eine unnatürliche Ruhe legte sich über ihr Gesicht.
„Jetzt … erinnere ich mich.“
Beide Männer standen regungslos da.
Die Luft wurde schwer.
„Ich bin nicht in diesem Feuer gestorben …“
Seine Stimme klang anders.
Tiefer.
Älter.
„Ich … war die Ursache.“
Der „Vater“ öffnete entsetzt die Augen.
„Nein … nein …“
Isabella neigte leicht den Kopf.
Ein schwaches Lächeln huschte über ihr Gesicht.
„Danke … dass du mich zurückgebracht hast.“
Stille senkte sich über das Haus.
Denn in diesem Moment …
verstanden beide Männer dasselbe.
Isabella war nie das Opfer gewesen.
Sie war immer der Auslöser des Unheils gewesen.
Und nun …
war sie zurückgekehrt, um zu vollenden, was sie begonnen hatte.
ENDE