„Emmett hat diesem verarmten Mann Geld dafür gegeben, seine Tochter zu heiraten, weil sonst niemand sie ansehen konnte.“
Ein grausames Flüstern ging durch die St.-Jude-Kathedrale, als Rosalie Durham ohne Schleier eintrat.
Sie war neunundzwanzig Jahre alt. Groß, kräftig und nicht bereit, sich zu verstecken.
Ein dunkles Muttermal bedeckte einen Teil ihrer linken Wange und ihres Halses, und das Haar an einer Schläfe war merklich dünner geworden.
Seit ihrer Kindheit hatten die Leute sie hässlich, verflucht und unfähig zu lieben genannt – oft mit dem Einverständnis ihres eigenen Vaters.
So schritt sie nun offen einher und spürte die Blicke von zweihundert Gästen auf sich.
Manuel Nelson, Erbe eines einst angesehenen Unternehmens, das durch einen Skandal zerstört worden war, wartete am Altar.
Sein Vater war gestorben, nachdem er zu Unrecht der Veruntreuung beschuldigt worden war. Die Konten der Familie wurden eingefroren, und Manuels jüngere Schwester musste ihr Studium abbrechen.
Emmett Durham versprach, den Namen der Familie Nelson reinzuwaschen und all ihre Schulden zu begleichen.
Im Gegenzug sollte Manuel Rosalie heiraten.
In ihrem einzigen privaten Gespräch vor der Hochzeit sagte Rosalie unverblümt:
„Mein Vater sagt, du seist verzweifelt.“
„Und man hat mir gesagt, du hasst Lügen“, erwiderte Manuel.
„Wahrscheinlich hat man dir auch gesagt, ich sei unerträglich.“
„Ich habe schon viel gehört“, sagte er. „Aber ich möchte dich lieber selbst kennenlernen, bevor ich es glaube.“
Es war keine Liebe.
Aber noch nie hatte jemand ohne Verachtung oder Mitleid mit Rosalie gesprochen.
Sie akzeptierte diese Vereinbarung, weil sie der Kontrolle ihres Vaters entkommen musste.
Ihre Mutter Lorelei war zwölf Jahre zuvor gestorben, nachdem sie von der Veranda ihres Hauses am See gestürzt war.
Die Polizei stufte es als Unfall ein.
Rosalie glaubte das nie.