Lily malte ein rotes Herz unter den schiefen Regenbogen auf meine Nase und lehnte sich dann zurück, mit der ernsten Konzentration einer Künstlerin, die überlegt, ob ihr Meisterwerk vollendet ist.
„So“, flüsterte sie. „Jetzt siehst du nicht mehr allein aus.“
Niemand im Raum rührte sich.
Meine Wachen hatten Männer um ihr Leben flehen sehen, ohne mit der Wimper zu zucken. Sie hatten mir in Überfällen, Verrat, Beerdigungen und Besprechungen beigestanden, in denen ein einziges falsches Wort jemanden alles kosten konnte.
Und nun starrten sie ein dreijähriges Mädchen mit einem Pinsel an, als hätte es gerade ein Wunder vollbracht.
Elena eilte mit einem feuchten Tuch in der Hand und blassem Gesicht herbei.
„Mr. Romano, es tut mir so leid. Ich wische es sofort weg.“
Ich hob beschwichtigend die Hand.
„Lass es.“
Elena blieb stehen.
Selbst ich bemerkte die ungewöhnliche Sanftheit in meiner Stimme.
Lily lächelte stolz, hob ihren ramponierten Stoffhasen auf und legte ihn mir sanft auf den Schoß.
„Buttons kann auch bei dir bleiben“, sagte sie. „Er mag keine einsamen Menschen.“
Dem Hasen fehlte ein Auge. Ein Ohr hing nur noch an einem Faden. Sein graues Fell war durch das jahrelange Tragen fast weiß geworden.
Ich sah sie an und war mir absurd bewusst, dass meine Hände öfter Waffen, Verträge und das Schicksal von Männern getragen hatten als alles Unschuldige.
„Ist er mutig?“, fragte ich.
„Der mutigste“, sagte Lily. „Aber manchmal brauchen auch mutige Menschen Umarmungen.“
Ich spürte ein Engegefühl in der Brust.
Bevor ich antworten konnte, öffneten sich die Eingangstüren des Herrenhauses.
Mein Berater, Vincent Moretti, trat ein, gefolgt von zwei Männern. Regentropfen glänzten auf den Schultern seines schwarzen Mantels, und Dringlichkeit spiegelte sich in seinem Gesichtsausdruck wider.
Er warf einen Blick auf mein geschminktes Gesicht und blieb so abrupt stehen, dass der Mann hinter ihm beinahe gegen seinen Rücken stieß.
Drei Sekunden lang herrschte Stille. Vincent betrachtete die gelbe Sonne auf meiner Wange, den blauen Schmetterling auf meiner Stirn und den Regenbogen, der sich über meine Nase spannte.
„Adrian“, sagte er schließlich, „wir haben ein Problem.“
Normalerweise bedeuteten diese Worte Verrat, Polizeidruck, verschwundenes Geld oder Krieg.
Aber Lily deutete auf ihn und kicherte.
„Du brauchst auch Farben.“
Einer der Wachen hustete in seine Faust, um ein Lachen zu unterdrücken.
Vincent warf ihm einen Blick zu, der kochendes Wasser hätte gefrieren lassen können.
Dann sah er mich wieder an.